Existenzgründung und Support vom Staat
Man sollte ja meinen, dass der Staat sich freut, wenn jemand mit einer guten Geschäftsidee auf den Markt tritt. Das bringt anständig Steuern ein, schafft Arbeitsplätze- kurz : der Staat profitiert enorm von jedem neuen, halbwegs gut laufenden Unternehmen.
Grundsätzlich.. also in bestimmten Fällen, unterstützt der Staat ja auch Firmengründungen. Zumindestens die, die aus der Arbeitslosigkeit gründen. Ne, so stimmt das auch nicht, er unterstützt die, denen er eh schon Geld gibt. Man kann ja durchaus arbeitslos sein, ohne Geld vom Staat zu bekommen. So wirklich klar war mir das nicht, bis ich in genau diese Situation kam.
Es gibt in Deutschland ALG1 und ALG2, letzteres wird meistens als Hartz4 bezeichnet. ALG1 ist wohl vorwiegend dafür gedacht, dass man wenn man mal temporär arbeitslos wird, irgendwie zwischen zwei Jobs hängt, dass man dann halbwegs normal weiterleben kann. Man bekommt so um die 70% des bisherigen EInkommens und muss damit zwar sparen, aber man wird nicht gezwungen, sein Leben komplett umzukrempeln, nur weil man mal ein paar Monate ohne Job ist. Man darf Haus und Auto behalten und sich eben einen neuen Job suchen. Wenn man dann beschliesst, dass man sich lieber Selbständig machen will, dann gibt der Staat einem zu dem ALG noch für (ich meine) 9 Monate noch 300€ im Monat dazu.
Aber: das ALG1 ist keine Sozialleistung vom Staat, sondern eine Versicherung. ALG1bekommt nur, wer vorher in den letzten zwei Jahren mindestens 1 Jahr lang eingezahlt hat. Das heisst, bei normalen Berufstätigen funktioniert das System. War man aber vorher selbständig oder Student mit Nebenjob- dann hat man nicht eingezahlt und dann gibt es auch kein ALG1 und damit auch keinen Gründerzuschuss.
Daneben gibt es das ALG2, das ist aber nicht ganz so komfortabel. Da macht man sich erstmal finanztechnisch nackig, muss alle Konten und Versicherungen vorlegen und dann guckt der Staat erstmal, wo da noch was zu holen ist, bevor er selbst einspringt. Bedeutet: Auto verkaufen, in eine billigere Wohnung ziehen, Lebensversicherung auflösen, Sparkonten plündern, gucken, wieviel der Lebensgefährte/Ehepartner über dem Mindestsatz verdient. Erst wenn nichts mehr zu holen ist, gibts was.
Hat man also als Student so fleissig gearbeitet, dass man sich das Geld für die Bafögrückzahlung beiseite legen konnte, steht man ganz schön dumm da. ALG1 gibts nicht, weil man in der Regel als Werkstudent angestellt ist und da zahlt man nicht ein. ALG2 gibts erst, nachdem die Bafögrückzahlung aufgebraucht ist und man sich von allem anderen getrennt hat, was man sich bis dahin mühevoll vom Mund abgespart hat.
Der Student, der sich direkt nach dem Studium selbständig machen will, bekommt nichts vom Staat. Selbst die Existenzgründertarife der Krankenversicherung sind nur für ALG-Empfänger.
Also: entweder ein Jahr arbeiten gehen, dann arbeitslos werden und ALG1 bekommen und dann selbständig machen, oder es eben alleine schaffen. Mit den teuren KK-Tarifen und ohne einen Cent Support von aussen.
————————–
Zeitstatus: 1,5 Monate vor Firmenstart
Bisher keine Kommentare
Hinterlasse eine Antwort